Was sind die Folgewirkungen

Die örtliche Belastung durch ungesteuerten Bau-Boom, Zweitwohnsitzüberhang und Massentourismus einhergehend mit geschwächtem regionalen Selbstwertgefühl und mangelnder Wertschöpfung wirkt sich vielschichtig aus.

Jetzt wird’s dystopisch!

Wirtschaftlich

Es werden wenige, monostrukturierte und minderqualitative Arbeitsplätze geschaffen, die Bau- und Liegenschaftspreise steigen, immense Infrastrukturmaßnahmen der öffentlichen Hand werden erforderlich. Landflucht macht sich bemerkbar.

Sozial

Verfremdung und ein Verschieben der dörflichen Werteordnung, Einheimische werden durch Zweitwohnsitzüberhang auf dem Wohnungsmarkt verdrängt und wandern ab.

Politisch

Eingeschränkte Manövrierfähigkeit, Abhängigkeit von Investoren, Konfliktpotential durch Privatisierung und Reglements.

Ökologisch

Der Erhalt eines gesunden ökologischen Gleichgewichtes verliert an Relevanz. Kurzfristige Ressourcennutzung und Gewinnmaximierung wird vorgereiht.

Qualitativ

Attraktivitätswert und Lebensqualität der Region sinkt.
Selbstwert: Regionale Kompetenz wird kaum erkannt, gefördert oder gar eingebunden, mangelnde Diskussionskultur hemmt gesundes, prozessorientiertes Handeln, Eigeninitiative und Sich-Einbringen.

Fortschritt

Durch mangelnde Kooperation, Abstimmung und fehlenden Erfahrungsaustausch zwischen regionalen Akteuren kommt es zu „Kirchturmdenken“, isolierten Sichtweisen, teils Resignation und Stillstand.

Mit Wissensvorsprung wird man zum Multiplikator und Gestalter. Ohne, zum Nachahmer.

Learning from Kitzbühel, Pinzgau, Schladming

Benachbarte Regionen haben ein teils bereits bedenkliches Bild gezeichnet, wohin sich ein Dorf entwickelt, wenn es selbst keine klare Strategie für sich definiert, Investoren-Interessen vor dem Wohl der Allgemeinheit stehen, kaum Schranken gesetzt werden und Liegenschaftspreise explodieren.
Der Mehrwert für die Gemeinden ist in Relation zu den Kosten und der nachhaltigen, irreversiblen Verschandelung gering.
Sich dann an alten Postkartenmotiven zu laben, wird zu spät sein.

Aus der ORF-Reihe „Am Schauplatz“, ausgestrahlt im November 2019.

Orts- und Landschaftsbild

Intakte Natur und harmonische Baukultur sind nicht nur die Visitenkarte jedes Tourismusortes, sondern auch Identitätsstiftend für die Bevölkerung.
Das Hinterbergtal-Ausseerland ist eine der wenigen noch nicht einem Allerwelts-Tourismusangebot geopferten Regionen. Maßlose Bauentwicklung stört die Erwartung des Gastes und zugleich Wohlfühlfaktor und Lebensqualität für die Bevölkerung.

Je mehr vermeintliche Urlaubsgelüste erfüllt werden, umso stärker wird in Landschaft und Ortsbild eingegriffen und eine Region beliebig. Dies mindert die Attraktivität und Einzigartigkeit, was zur Folge hat, dass anderweitige, unberührte Reiseziele aufgesucht werden.
Intakte Landschaft und maßvolle Baukultur sind das wichtigste Kapital und zentraler Anziehungspunkt im Tourismus.

Der Tourist zerstört oft das, was er sucht, indem er es findet.

Der Tourismus setzt in der Region starke wirtschaftliche Impulse, kann aber durch austauschbare Angebote, Landschaftsverschandelung und einem sorglosen Umgang mit Bodenpolitik und Ortsbild auch den Charakter und die Qualität einer Region rauben.
Eine hochtechnisierte Freizeitindustrie mit auf Saisonspitze ausgelegten Hochleistungsinfrastrukturen steht sanften, nachhaltigen Tourismuskonzepten gegenüber.
Ungelenkte und ungebremste Entwicklung wird zu negativen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen führen. Steuert eine Gemeinde diese Entwicklung nicht bewusst und stringent, riskiert sie, irreversibel überrollt, übersättigt und manövrierunfähig zu werden.
Die Entwicklung unserer Region muss daher aktiv von innen heraus gestaltet werden und sich nicht als zufällige Folge verschiedener Projekte, Maßnahmen und Begehrlichkeiten Einzelner ergeben.

Den Einheimischen muß es gut gehen, sonst leidet die Seele eines Dorfes.

Wenn die Lebensqualität stimmt, ist das die Grundlage für die Erlebnisqualität der Gäste. Nicht umgekehrt.
Tourismus muß geprägt sein von gegenseiti- ger Wertschätzung und zukunftstauglich konzipiert sein. Der Fokus ist auf Qualitätssteigerung zu legen, statt auf das Hinaufschrauben von Gäste- und Bettenzahlen, auf Wertschöpfung statt Ausverkauf.

Nicht ein Mehr an Menge ist erstrebenswert, sondern ein Mehr an Wert.
Statt noch mehr Angebote für Gäste zu kon- struieren, soll die Qualität des bestehenden Angebotes gesteigert werden.
Weichenstellung passiert nicht für Jahre, sondern wirkt für Generationen.

Eine Region muß sich positionieren und eigene Instinkte entwickeln, statt zu kopieren.

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